Masern-Epidemien
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Impfmuffel Deutschland
Deutschland gehört ebenso wie Frankreich, Italien, Österreich oder die Schweiz zu den Ländern mit ungenügenden Masernimpfraten. Für einen ausreichenden Impfschutz sind zwei Impfungen notwendig. Um die Masern auf Dauer auszuradieren, sind Impfraten von mindestens 95 Prozent erforderlich.
In Deutschland lag die Impfquote für Masern im Jahr 2005 beim Schuleintritt bei 94,0 Prozent für die erste Dosis und bei 76,6 Prozent für die 2. Impfdosis. Die aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) beziehen sich auf Gesamtdeutschland. In den neuen Bundesländern ist die Impfquote deutlich höher als in den alten. Insgesamt seien die Impfquoten für Masern noch unzureichend, so das RKI. Daher kommt es immer wieder zu Masern-Epidemien.
Deutsche Export-Nation
2005 gab es in Deutschland zwei größere Masernausbrüche, im Februar in Hessen mit einem Todesfall und im Mai in Oberbayern mit 110 Erkrankungen. 2006 wurden insgesamt 2307 Masernfälle mit einer Häufungen in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen gemeldet. Dies war die größte Masern-Epidemie seit der Einführung der Masern-Meldepflicht im Jahr 2001. Fast alle betroffenen Kinder und Jugendlichen hatten keinen ausreichenden Impfschutz, unter anderem, weil manche Eltern einer Impfung kritisch gegenüber stehen.
Im Mai 2007 brachen die Masern erneut in Nordrhein-Westfalen vor allem bei Kindern und Jugendlichen aus. Die Impfausweise wurden kontrolliert, Schüler und Lehrer vom Unterricht ausgeschlossen, die keine Impfung nachweisen konnten bzw. die Krankheit nicht durchgemacht haben, und alle nachdrücklich zur Impfung aufgefordert. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium erwägt jetzt offenbar sogar eine Impfpflicht, was auch der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte fordert.
Anders ist die Situation in den USA, die schon vor einiger Zeit nationale Impfprogramme für Kinder eingeführt hat. Die durchschnittliche Zahl der Neuerkrankungen bei Masern ging von 250.000 auf etwa 100 Fälle pro Jahr zurück. In Amerika gelten die Masern damit als ausgerottet. Die vereinzelten Ausbrüche sind die Folge von importierten Masern. Deutschland steht hier an der Spitze der "Exportnationen".
Verunsicherte Bevölkerung
Zu einer Verunsicherung und einem Einbruch der Masern-Impfraten trug auch ein Bericht im renommierten Fachmagazin "The Lancet" (1998) bei. Ein britischer Arzt veröffentlichte Daten über die Nebenwirkungen der Mumps-Masern-Röteln-Impfstoffe (MMR). Teilnehmer der Studie waren zwölf autistische Kinder, die zusätzlich unter eine Darmerkrankung litten. Der Arzt sah einen Zusammenhang zwischen den Magen-Darm-Symptomen, dem Autismus der Kinder und der MMR-Impfung. Schließlich deckte ein britischer Reporter auf, dass der britische Arzt beträchtliche Geldsummen erhalten hatte, um einen Zusammenhang zwischen dem Autismus und MMR-Impfstoff herzustellen. Der Fall wurde vor Gericht verhandelt und der Arzt verlor seine Zulassung.
Korrigierte Ziele
1984 hatte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein hohes Ziel gesteckt: Bis zum Jahr 2000 sollten die Masern durch Impfprogramme von der Erde verschwunden sein. Die Regierungen der Mitgliedsländer sollten auf dieses Ziel hinarbeiten. Anfang der 90er Jahre sank die Zahl der Erkrankungs- und Todesfälle in vielen europäischen Ländern drastisch. Dann gab es aber erhebliche Rückschläge und das Ziel "Elimination der Masern" wurde auf das Jahr 2010 nach oben korrigiert.
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