Transsexualität

Was ist Transsexualität?

Der Begriff Transsexualität (auch Transidentität oder Transsexualismus) bezeichnet ein Phänomen, bei dem es um die Überschreitung von Geschlechtergrenzen geht. Es gibt Männer, die sich als Frauen erleben, und Frauen, die sich als Männer erleben. Man spricht von Transsexualität, wenn diese Menschen sich auch ihrer Eigenwahrnehmung entsprechend verhalten. Das heißt, sie verfolgen intensiv den Wunsch nach einem Geschlechtswechsel - in körperlicher, sozialer und rechtlicher Hinsicht.

In allen Kulturen und Epochen hat es Menschen gegeben, die sich über die Grenzen ihres biologischen Geschlechts hinweg gesetzt haben - entweder zeitweise oder dauerhaft. Manche dieser Menschen wurden von ihren Mitmenschen wegen ihres Geschlechtswechsels bewundert. Andere Transsexuelle wurden verfolgt und bestraft, weil sie die gesellschaftlichen Normen und Regeln nicht akzeptiert und eingehalten haben.

Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieb der Berliner Sexualforscher Magnus Hirschfeld den Transvestitismus in seiner "Theorie der sexuellen Zwischenstufen". Hirschfeld unterschied damals noch nicht genau zwischen sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität. Heute versteht man unter Transvestitismus eine Form der sexuellen Orientierung, während die Transsexualität als Störung der Geschlechtsidentität gilt. Sexuelle Identität gilt heute als vorrangig und unabhängig von sexuellen Präferenzen.

Schätzungen zufolge leben in Deutschland zwischen 2000 und 4000 transsexuelle Menschen. Dabei gibt es ungefähr doppelt so viele Mann-zu-Frau- wie Frau-zu-Mann-Transsexuelle.

Was sind die Kennzeichen von Transsexualität?

Transidentität selbst ist keine Krankheit, sondern lediglich ein wissenschaftlich anerkanntes Phänomen, dass vielerlei Ursachen haben kann. Niemand entscheidet sich aus einer Laune heraus zu diesem als "Geschlechtswechsel" wahrgenommenen Schritt. Man ist transident oder man ist es nicht. Die Betroffenen leiden nicht unter einem Zwang die Kleider des somatisch anderen Geschlechts tragen zu müssen und ganz und gar so leben zu wollen, sondern sie empfinden vielmehr die Tatsache im falschen Körper gefangen zu sein und in einer als fremd empfundenen, nur dem Körper entsprechenden, gesellschaftlich geforderten Rolle leben zu müssen, als Zwang. Auch wenn Transidentität keine Krankheit ist, so kommt doch dem extremen Leidensdruck durch die innere Zerrissenheit im falschen Körper zu stecken, ein sehr deutlicher Krankheitswert zu. Seit 1987 übernehmen die Kassen die Behandlungskosten. Hierzu zählen u.a. die Hormontherapie, das Lasern eines Bartes bei Mann-zu-Frau-Transidenten und die Geschlechtsangleichende OP. Man spricht von der "Geschlechtsangleichung" und nicht von der -umwandlung, da das psychische Geschlecht maßgebend ist und lediglich eine somatische Angleichung an die psychische Geschlechtsidentität stattfindet.

Bevor Ärzte mit der Hormonbehandlung als erstem Schritt zur Geschlechtsangleichung beginnen, müssen Gutachter die Diagnose Transsexualität stellen. Voraussetzung für die Diagnose ist, dass die Transsexuellen bereits einige Zeit vorher in der jeweils anderen Geschlechtsrolle gelebt haben. Wichtig ist auch, dass ein Psychotherapeut den Transsexuellen kontinuierlich über mindestens ein Jahr begleitet hat. Erst nach weiteren sechs Monaten kann der Gutachter die Diagnose stellen, die vor der operativen Geschlechtsangleichung steht.

Zur Zeit ist die Zahl der Transsexuellen, die eine Operation vornehmen lassen, rückläufig. Häufig begleiten Psychotherapeuten die Transsexuellen auch erst nach der Operation, da erst dann die Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund steht

Wie sieht die rechtliche Situation aus?

Seit 1981 gibt es das "Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen" (BGB I: 1654), auch Transsexuellengesetz genannt. Betroffene können diesem Gesetz zufolge einen Teil ihrer Identitätsstörung ausgleichen, indem sie etwa ihren Vornamen ändern (z.B. von Michael zu Michaela oder umgekehrt). Im Beruf können Transsexuelle in der neuen Geschlechtsrolle leben, sie können eine Partnerschaft eingehen oder sogar heiraten. Für Betroffene gibt es Beratungsstellen, die ihnen helfend und unterstützend zur Seite stehen .

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